Die Story der Skischule St. Moritz

Die Geschichte der Skischule St. Moritz ist diejenige eines Mannes, der vom degradierten Skilehrer zum Pionier wurde. Wie alle grossen Pioniere kämpfte er gegen erbitterten Widerstand. Sein Erfolg machte Widersacher neidisch. Zu Recht - Vom Widerstand zu Legenden in Rot.

Skifahren – der Schweizer Nationalsport schlechthin. Früher waren die Skier aber primär Fortbewegungsmittel. Denn irgendwie musste man ja von Tal zu Tal gelangen. Wer Skifahren lernen wollte, lernte den persönlichen Stil seines Lehrmeisters. Es herrschte also ein wildes Durcheinander an Stilen und Techniken. Das entfachte Debatten: Welches ist der richtige Stil? Welche Technik die beste?

 

Die Gründung der ersten Schweizer Skischule

Diese Unsicherheit führte zu Verwirrung auf den St. Moritzer Wintersportplätzen, was dem Tourismus zu schaden drohte. So wurde der Kur- und Verkehrsverein sowie der Skiclub St. Moritz aktiv und beschloss, das Durcheinander zu vereinheitlichen.

Den ambitionierten Auftrag fasste ein Mann mit Namen Testa. Giovanni Testa. Mit Hilfe von Freunden gründete er die Skischule St. Moritz im Jahre 1929. Die erste schweizweit.

 

Die Erfindung des natürlichen Skifahrens

„Diese Entwicklung basierte auf kameradschaftlichen und demokratischen Grundsätzen. Wir betrieben Meinungsaustausch auf Gegenseitigkeit und erarbeiteten auf diese Art die neue Skitechnik“, schreibt Testa in den Skischul-Chroniken.

Er lobt „Liebe, Disziplin und Fleiss“, die die Skilehrer bei ihrer Arbeit an den Tag legten. So entstand rund um die erste Skischule, eine kleine Hütte auf Salastrains, etwas Grosses: Die natürliche Skitechnik, die wir bis heute anwenden.

Der Prophet wird im eigenen Land nicht gehört

Damit verhalf er dem Wintersportplatz St. Moritz zum Erfolg und löste einen Hype aus, der bis heute anhält. Daran glaubte damals aber keiner. Testas Technik wurde angezweifelt, insbesondere von der Dachorganisation „Schweizerischer Interverband für Skilauf“, die 1932 entstand.

Skilehrer erhielten nur eine Lizenz, wenn sie sich an die Interverband-Technik hielten. So ist im Reglement des Interverbands von damals zu lesen: „Wer sich diesem Diktat nicht fügen will, muss auf den Brevetkurs verzichten und wird sofort entlassen.“ Die Gegner von Giovanni Testa waren übermächtig; dennoch beugte er sich nicht, denn er glaubte an seine Technik.

So entzog ihm der Interverband kurzerhand wegen „Nichteinhaltung der schweizerischen Einheitstechnik“ die Skilehrerlizenz.

Die Guardia Grischa und der ultimative Beweis

Fest entschlossen, die Tauglichkeit seiner Technik zu beweisen, gründete er 1936 eine eigene Gruppe von Skirennfahrern, bestehend aus Lehrern der Skischule St. Moritz.

Die Guardia Grischa war geboren. International erfüllten die roten Legenden an den Winterspielen 1948 ihre Mission: Im zweiten Durchgang gewann der jüngste Guardia Grischaner Edy Reinalter als erster und bisher einziger Schweizer Slalomfahrer Olympisches Gold.

Damit war der ultimative Beweis erbracht: Giovanni Testas Skifahrtechnik taugte nicht nur für den Hobbysportler, sondern ebnete gar den Weg zu Olympiagold. Und das bis heute. International.

12 Jahre war Giovanni Testa Leiter der Skischule St. Moritz. Einer seiner Nachfolger war der Olympiagewinner Edy Reinalter selbst. Sie sicherten das Wissen, das die Skischule St. Moritz bis heute auszeichnet. Hier ist der Ort, wo alles seinen Anfang nahm: Hier wurde das erste Mal Skiunterricht erteilt, das erste Mal eine einheitliche Technik gelehrt und das erste Mal Olympisches Gold geholt.

Vom Widerstand durch Überzeugung und Leidenschaft zu Legenden in Rot. Ein St. Moritzer Erbe, das zu Recht stolz macht. Und auch ein wenig verpflichtet. The best is yet to come.